4. Mai 2021

KI für Naturkatastrophenmanagement: Neue ITU-Fokusgruppe am Fraunhofer HHI

Vor kurzem wurde die Fokusgruppe „AI for Natural Disaster Management“ (FG-AI4NDM ) der International Telecommunications Union (ITU), der World Meteorological Organization (WMO) und des United Nations Environment Programme (UNEP) gegründet. Nun hat die Fokusgruppe ihre Arbeit offiziell mit einem Online-Workshop und Treffen, das vom 15. bis 17. März 2021 stattfand, begonnen. Mehr als 180 Teilnehmende aus aller Welt haben die Veranstaltung besucht. Während des Kick-off wurde erläutert, wie KI-Methoden auf vielfältige Weise für das Management von Naturkatastrophen genutzt werden können. Dr. Monique Kuglitsch, Innovationsmanagerin am Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut (HHI), leitet die Fokusgruppe.

FG-AI4NDM will Expertinnen und Experten zusammenbringen, um gemeinsam zu erforschen, wie Künstliche Intelligenz (KI) zum besseren Umgang mit Naturkatastrophen beitragen kann. Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen beschäftigen sich dabei vor allem mit der Sammlung, Echtzeitüberwachung und Handhabung von Daten, der Rekonstruktion, Erkennung und Vorhersage von Modellierungen sowie der Kommunikation mithilfe von Frühwarnsystemen. Die Fokusgruppe will eine Roadmap erstellen, die aufzeigt, wie KI derzeit im Naturkatastrophenmanagement eingesetzt wird. Außerdem soll sie über Best Practices, bestehende Lücken und zukünftige Richtungen informieren. Weiterhin gestaltet das Team Schulungsunterlagen, mit denen das erarbeitete Wissen an Entwicklungsländer weitergegeben werden kann. So sollen global Kapazitäten aufgebaut werden. Um diese Themen voranzutreiben, wird die FG-AI4NDM mehrmals im Jahr Workshops und Treffen veranstalten.

Der erste Workshop des Kick-off Events wurde eröffnet mit Keynotes von Dr. Chaesub Lee (Direktor ITU Telecommunication Standardization Bureau), Dr. Monique Kuglitsch (Fraunhofer HHI), Prof. Jürg Luterbacher (Direktor für Wissenschaft und Innovation, Chefwissenschaftler der WMO und stellvertretender Vorsitzender der FG-AI4NDM) und Dr. Muralee Thummarukudy (Operations Manager, Abteilung Krisenmanagement UNEP). Die Vortragenden betonten, wie wichtig eine interdisziplinäre Zusammenarbeit ist, um den Naturkatastrophenschutz zu verbessern. Im Anschluss daran folgten weitere Vortragsblöcke, in denen erste Arbeitsfelder abgesteckt wurden.

Session zwei untersuchte die Frage: Wie kann KI zur Interpretation und Überwachung von Daten im Kontext von Überschwemmungen, Lawinen, Tsunamis und Erdbeben eingesetzt werden? Zu dieser Frage gab es hochkarätige Vorträge von Prof. Raúl Aquino (Universität Colima, Mexiko), Dr. Alec Van Herwijnen (WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF, Schweiz), Dr. Brendan Crowell (Pacific Northwest Seismic Network, USA) und Jannes Münchmeyer (GFZ Deutsches GeoForschungsZentrum). Unter reger Beteiligung des Publikums moderierte Dr. Monique Kuglitsch die anschließende Diskussion.

Session drei befasste sich mit der Frage: Wie kann KI zur Rekonstruktion und Vorhersage von atmosphärischen Gefahren und Überschwemmungen eingesetzt werden? Dieser Programmteil wurde moderiert von Prof. Alberto Montanari (Präsident der Europäischen Geowissenschaftlichen Union, Fakultätsmitglied der Universität Bologna, Italien) und umfasste spannende Präsentationen von Prof. Kei Yoshimura (Universität Tokio, Japan), Dr. Elena Xoplaki (Justus-Liebig-Universität Gießen), Dr. Carlos Gaitan (Benchmark Labs und American Meteorological Society‘s Committee on Artificial Intelligence Applications to Environmental Science, USA) und Dr. Serena Ceola (Universität Bologna, Italien).

Session vier befasste sich mit der Frage: Wie kann KI eine effektive Notfall-Kommunikation unterstützen und welche Rolle kann der Kapazitätsaufbau dabei spielen? Die Präsentationen wurden gehalten von: Steven Stichter (Direktor Resilient America Program der National Academies of Science, Engineering, and Medicine, USA), Dr. Rakiya Babamaaji (Vice Chair of Africa Science and Technology Group on Disaster Risk Reduction, Nigeria) und Hans (Hyungsoo) Kim (Korea Telecom, ITU Study Group 2). Sie zeigten, wie wichtig es ist, kommunale Interessenvertretungen einzubinden, den Kapazitätsausbau zu erleichtern und Telekommunikationssysteme zu nutzen, um die Resilienz zu verbessern. Yanchuan Wang (stellvertretende Vorsitzende der FG-AI4NDM, stellvertretende Vorsitzende der ITU Study Group 2, China Telecom) moderierte den Programmteil. Das Schlusswort hatten Dr. Bilel Jamoussi (Leiter ITU Telecommunication Standardization Bureau Studiengruppen) und Dr. Monique Kuglitsch.

In der anschließenden Sitzung erörterten die Teilnehmenden der FG-AI4NDM Vorschläge zur Struktur der Fokusgruppe sowie die Zusammensetzung der Deliverables und Anwendungsfälle. Basierend auf den genehmigten Anwendungsfällen wurden drei Themengruppen eigerichtet: „KI für die Überwachung von Überschwemmungsdaten“ (unter Vorsitz von Dr. Raúl Aquino, Universität Colima, Mexiko), „KI für die Überwachung von Erdrutschdaten“ (unter Vorsitz von Dr. Silvia Garcia, Nationale Autonome Universität von Mexiko, Mexiko) und „KI für die Überwachung von Tsunamidaten“ (unter dem gemeinsamen Vorsitz von Allison Craddock und Dr. Attila Komjathy, beide NASA Jet Propulsion Laboratory, USA). Darüber hinaus wurden Dr. Muralee Thummarukudy und Dr. Elena Xoplaki zu stellvertretenden Vorsitzenden der Fokusgruppe ernannt.

Der nächste FG-AI4NDM-Workshop und die nächste Sitzung sind für den 23. bis 25. Juni 2021 geplant. Weitere Informationen über die FG-AI4NDM sowie die Möglichkeit, sich zu beteiligen, finden Sie hier .