Das Institut für Schwingungsforschung vor der Auflösung?

1953

Zu Beginn der 50er Jahre brachen turbulente Zeiten für das Institut für Schwingungsforschung an, die 1953 in einer kurzfristigen Schließung des Instituts gipfelten.

Seit 1949 war die Einrichtung wieder in die vier ursprünglichen Abteilungen Hochfrequenztechnik, Akustik, Fernmeldetechnik und Mechanik untergliedert. Prof. Dr. Leithäuser wurde im April 1953 emeritiert, was jedoch weder Konsequenzen für seine Lehrtätigkeit noch für die Leitung des Instituts hatte. Für seine wissenschaftlichen Erfolge in Forschung und Lehre bekam er im Sommer desselben Jahres sogar das Bundesverdienstkreuz. Im August gab es im Zusammenhang mit dem Institut für Schwingungsforschung jedoch negative Schlagzeilen: Ein technischer Angestellter wurde festgenommen und verhaftet, weil er Fälschungen vorgenommen hatte. Im Zuge der Ermittlungen wurde Prof. Dr. Leithäuser durch den Rektor der Technischen Universität vom Dienst suspendiert. Zusätzlich wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet, über dessen Einzelheiten heute keine Schriftstücke mehr vorliegen. Prof. Dr. Leithäuser kehrte nie wieder an die Einrichtung zurück. Als Konsequenz aus der Fälschungsaffäre wurde das Institut für Schwingungsforschung für kurze Zeit geschlossen.

Am 16. September 1953 erfolgte die Wiedereröffnung. Prof. Dr.-Ing. Otto Mohr, Professor für Allgemeine Elektrotechnik an der TU Berlin-Charlottenburg, leitete das Institut zu jenem Zeitpunkt kommissarisch. Seine Aufgabe war es, die Zukunft der Einrichtung zu gestalten. So stand zunächst eine komplette Auflösung zur Debatte. Bei einer Schließung hätte das Personal in vorhandene TU-Strukturen eingegliedert werden sollen, was vor allem der damalige Leiter der Abteilung Mechanik, Prof. Matthieu, befürwortete. In der Denkschrift der Oberingenieure sprachen sich die Autoren jedoch entschieden gegen eine Schließung des Instituts aus. Da Uneinigkeit über die Besetzung der Leitung herrschte, wurde eine Kollegialverwaltung vorgeschlagen: Regelmäßig wechselnde Personen aus dem Kreis der Abteilungsleiter sollten das Institut leiten. Zeitgleich mit den Überlegungen verstarb Institutsgründer Karl Willy Wagner, weshalb eine Umbenennung in „K.W. Wagner-Institut für Schwingungsforschung“ in Erwägung gezogen wurde.

Bei einer Besprechung informatorischen Charakters am 16. Dezember 1953 wurde schließlich eine mögliche Neugestaltung des Instituts umrissen. Dort bekundete Prof. Dr. Tiburtius, Berliner Senator für Volksbildung, das landespolitische Interesse Berlins an einer Erhaltung der Einrichtung. Als möglicher Name wurde nun „Heinrich-Hertz-Institut“ gehandelt. Konkrete Pläne für eine Neugestaltung gab es allerdings noch nicht.