Der Leibniz-Preis geht an Prof. Holger Boche

2008

Prof. Holger Boche, von 2005 bis 2010 neben Prof. Dr. Hans-Joachim Grallert Leiter des Fraunhofer Heinrich-Hertz-Instituts, leistete mit seiner Arbeit einen großen Beitrag zur mobilen Kommunikation. 2008 wurde er mit dem renommierten Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geehrt.

Der Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis ging im Jahr 2008 an Prof. Dr. Ing. Dr. rer. nat. Holger Boche, zu jenem Zeitpunkt Leiter des Fraunhofer Heinrich-Hertz-Instituts. Er trieb mit seiner Forschung den Ausbau mobiler Netze voran. So konzentrierten sich seine Arbeiten auf Techniken zur Erhöhung der spektralen Effizienz. Diese konnte er durch Mehrantennensysteme und kanalangepasste Ressourcenallokation erzielen.

Das wissenschaftliche Potenzial Boches zeigte sich früh: 1966 in Schwedt geboren, gewann er als 23-jähriger Student den ersten Preis bei der Mathematik-Olympiade, die von der Mathematischen Gesellschaft der DDR ausgetragen wurde. Zu Beginn seiner beruflichen Karriere hatte er das Fachabitur und eine Ausbildung zum Mess-, Steuerungs- und Regelungstechniker in einem Mineralölwerk absolviert. Danach folgte ein Studium der Informationstechnik an der TU Dresden, das er 1986 aufnahm. Ab 1990 kam der Studiengang Mathematik dazu – zu jenem Zeitpunkt war Boche bereits als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. 1994 erfolgte nach den jeweiligen Diplomabschlüssen die Promotion zum Dr.-Ing., 1998 schließlich auch zum Dr. rer. nat. In beiden Fällen erhielt er die Auszeichnung summa cum laude. Seine zweite Dissertationsarbeit hatte er ganz ohne Betreuung in Eigenregie geschrieben: So sorgte er für Erstaunen an der mathematischen Fakultät der TU Berlin, als er eine fertige Arbeit zur komplexen Approximationstheorie einreichte. Die Doktorarbeit trug den Titel „Untersuchungen zur Approximation im Komplexen.“

1998 wurde Holger Boche Abteilungsleiter am Heinrich-Hertz-Institut. Fortan war er für den Bereich Breitband-Mobilfunknetze zuständig. Ab 2005 wurde er neben Prof. Dr. Grallert zum Direktor des Instituts ernannt. Zudem leitete er das angeschlossene German-Sino Lab for Mobile Communications. Bevor er 2010 eine Professur an der TU München antrat, arbeitete er außerdem als Professor für Drahtlose Kommunikation an der TU Berlin.

Den Leibniz-Preis erhielt Holger Boche 2008 für seine komplett in Eigenregie verfasste Dissertation, in der er sich mit Interpolationsproblemen, die für die Mobilfunkkommunikation relevant sind, beschäftigte. Großes Lob gab es bei der Verleihung von Prof. Frank Pobell, dem Präsidenten der Leibniz-Gemeinschaft: „Herr Boche verkörpert in seinem wissenschaftlichen Werdegang das Leibniz'sche Ideal der engen Verbindung von Theorie und Praxis und eines starken interdisziplinären Anspruchs auf besonders überzeugende Weise. Ein würdigerer Träger des Preises, den die Leibniz-Gemeinschaft im Geist ihres Namenspatrons vergibt, ist schwerlich denkbar.“