Wohin geht die Reise für das Heinrich-Hertz-Institut?

1971/2003

1971 wurde über eine Neuausrichtung des Instituts diskutiert – das Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft war mit dem bisherigen Konzept des HHI nicht zufrieden und erwog, die Förderung einzustellen. Damals wurde schon eine Eingliederung in die Fraunhofer-Gesellschaft als Möglichkeit in Betracht gezogen. Diese erfolgte jedoch erst drei Jahrzehnte später.

Das Heinrich-Hertz-Institut stand 1971 an einem Wendepunkt. Entsprechendes Aktenmaterial gibt Aufschluss darüber: Wenn das damalige Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft (BMBW) weiterhin als Geldgeber fungieren sollte, erwartete es eine profitablere Ausrichtung des HHI. Daraufhin kam es zur Erarbeitung eines Planungskonzeptes durch mehrere Institutsmitglieder. Dieses konnte das Ministerium aber trotz präziser Erklärungen der geplanten Vorhaben nicht überzeugen. Im Rahmen einer Aussprache gab das BMBW bekannt, dass es das HHI in seiner derzeitigen Ausrichtung über 1972 hinaus nicht weiter fördern würde.

So musste eine Alternative gefunden werden, um das Institut vor einer Schließung zu bewahren. Als denkbare Lösungsansätze wurde über die Eingliederung in die Max-Planck-Gesellschaft, die Fraunhofer-Gesellschaft oder die Technische Universität Berlin diskutiert. Auch eine Neuausrichtung, die einen Fokus auf wenige Forschungsschwerpunkte mit höherem Arbeitsaufwand vorsah, wurde in Betracht gezogen.

Die letztgenannte Alternative sollte schließlich in die Tat umgesetzt werden. Dazu musste zunächst ein realistisches Ziel formuliert werden, um den Vorstellungen des BMBW gerecht zu werden. Eine Strukturkommission entwickelte einen „Entwurf der wissenschaftlichen Struktur am HHI“. Aus dem Schriftstück geht hervor, dass fortan der Arbeitsschwerpunkt Nachrichtensysteme im Mittelpunkt stehen würde.

Die Überführung in die Fraunhofer-Gesellschaft erfolgte letzten Endes im Jahr 2003 – 32 Jahre nach den ersten Überlegungen. Durch ein Programm der neuen Bundesregierung 1998 gewann die Fraunhofer-Gesellschaft im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK) immens an Bedeutung. Das Vorhaben des HHI, ein führendes Institut für IuK zu werden, machte die Angliederung des Instituts an die Fraunhofer-Gesellschaft  für beide Seiten zu einer attraktiven Lösung.